Modellbahnbörse im EWR-Kesselhaus in Worms - Liebhaber kaufen mittlerweile im Netz

Von Manfred Janß

WORMS - Der Parkplatz am EWR-Kesselhaus war ansehnlich gefüllt am Samstagnachmittag. Und die Kennzeichen der Autos verrieten, dass „Michaels Modellbahnbörse“ wieder gezündet hatte unter den Freunden der kleinen Bahnen, aus Mainz, Darmstadt, Frankenthal, Bad Dürkheim, Kirchheimbolanden und sogar Hanau und Trier waren sie gekommen.

Zwar zog die Börse zu Beginn doch einige Besucher an, im Lauf des Nachmittags ließ der Zuspruch dann aber nach - wohl auch des schönen Wetters wegen, wie zu hören war.	Foto: pa/Alessandro BalzarinAber das täuscht nicht darüber hinweg, dass das Interesse in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen hat. Drängten sich vor zehn, erst recht 15 oder 20 Jahren noch Massen an Modellbahnliebhabern an den dicht gestellten Tischreihen vorbei, die überbordend mit Modellbahnen aller Hersteller und Spurweiten bestückt waren, ist es mittlerweile doch übersichtlich geworden. Die Händler, die schon lange dabei sind, wissen auch, warum. „Das Internet nimmt viel weg“, sagt Erich Lösch. Der Pfeddersheimer hatte ab 1983 rund 30 Jahre lang selbst Börsen in Worms, Speyer und Grünstadt organisiert und bis vor ein paar Monaten ein Auktionshaus gehabt, das er mittlerweile verkaufte (die WZ berichtete).

 

 

 „Die Leute kaufen heute im Internet und machen sich nicht mehr die Mühe, zu einer Modellbahnbörse zu gehen, wenn sie etwas Bestimmtes suchen“, hat er festgestellt. Erich Lösch findet das sehr schade. „Sich hier auf der Börse zu treffen, ist doch viel unterhaltsamer als anonym im Internet etwas zu bestellen. Ganz abgesehen von dem Ärger, wenn das, was man erworben hat, fehlerhaft ist. So eine Börse ist doch außerdem ein schöner Zeitvertreib. Man trifft sich, kommt ins Gespräch, viele Händler und Modellbahner kennen sich seit Jahren und freuen sich, wenn sie sich auf einer Börse mal wiedersehen und miteinander plaudern können“, erzählt er aus dem Nähkästchen. Zum Teil sieht er die Entwicklung übrigens hausgemacht. „Viele Modellbahnhändler haben mittlerweile selbst einen Internetshop. Aber das müssen sie halt, denn sie müssen ja von irgendwas leben“, weiß er.

Jürgen Diehl sieht das ähnlich. Der Frankenthaler hat ein kleines Modellbahngeschäft, das mittwochs bis samstags geöffnet hat und ist seit vielen Jahren auf Modellbahnbörsen anzutreffen. Sein Sortiment auf den Börsen hat er drastisch reduziert, bietet fast nur noch Zubehör an, so gut wie keine Modellbahnen mehr. Vor allem die Produkte vom Branchenprimus Märklin, die er früher in großer Auswahl dabei hatte, fehlen mittlerweile. „Der Aufwand, das alles auf- und wieder abzubauen, steht in keinem Verhältnis mehr zum Absatz. Der Verkauf auf den Börsen ist immer mehr rückläufig, es wird immer mehr übers Internet verkauft“, hat auch er beobachtet.

Der Sonntag war besser

Zudem ist für ihn der Samstag ein deutlich schlechterer Termin als der Sonntag, an dem die Modellbahnbörsen früher traditionell stattfanden. „Die Leute haben samstags anderes vor, als zu einer Modellbahnbörse zu gehen. Aber das ist eben der Rechtslage geschuldet. Flohmärkte und Verkaufsbörsen dürfen nur noch an Sonntagen stattfinden, die mit einem verkaufsoffenen Sonntag verbunden sind. Außerdem gibt es seit dem Unglück bei der Love-Parade in Duisburg sehr hohe Sicherheitsauflagen, die das Ganze noch zusätzlich erschweren“, meint er.

Organisator Michael Günther sieht ebenfalls den hohen Aufwand im Verhältnis zum Resultat, hält aber an der Börse fest. „Klar haben die Aussteller relativ wenig Umsatz in Worms und das Interesse ist gegenüber früher geringer“, weiß der Osthofener. Aber da gibt es eben noch diejenigen, die immer wiederkommen, an den Tischreihen vorbeischlendern und am Ende mit „guter Beute“ nach Hause gehen. „Man findet immer was“, wissen sie nur zu genau. Und tragen einen Waggon, eine lang gesuchte Weiche oder auch Schloss Neuschwanstein in Spur N nach Hause.

 

·                     TERMINE

Die nächste Modellbahnbörse von Michael Günther in Worms findet am Samstag, 9. April, von 11 bis 16 Uhr im EWR-Kesselhaus in der Klosterstraße statt.

Die Freunde der großen Spurweiten 0, 1 und II m treffen sich jeden dritten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr in der Gaststätte des SV Leiselheim in der Albert-Schweitzer-Straße. Die Spur 0 Moduler treffen sich zusätzlich jeden ersten Donnerstag im Monat. Infos unter www.wormser0module.de.